Shazam! Kritik – Ultimativer Spaß oder gähnende Langeweile?

Shazam Kritik Zachary Levi

Heute gibt es wieder eine Kritik mit zwei Meinungen. Einmal von Lasse (Hauptteil) und einmal von Pia (weiter unten). Die folgende Kritik ist wie immer ohne Spoiler! Wir freuen uns über eure Kommentare zu diesem Beitrag.

Shazam! – die Story

Der Teenager Billy Batson (Asher Angel) ist in Philadelphia auf der Suche nach seiner echten Mutter bereits aus vielen Pflege-Familien ausgerissen. Bei seinen neuen Adoptiv-Eltern, Rosa und Victor Vasquez (Marta Milans und Cooper Andrews) lernt er den schrägen Freddy (Jack Dylan Grazer) kennen, welcher eine Obsession für Superhelden hat. Kurz darauf begegnet Billy einem alten Zauberer (Djimon Hounsou), welcher nach einem würdigen Auserwählten mit reinem Herzen sucht, um auf diesen seine Kräfte zu übertragen.

Als Billy das Angebot annnimmt, wird er zum Superhelden Shazam (Zachary Levi) und erkundet zusammen mit Freddy seine Kräfte und die zahlreichen Möglichkeiten, die sich ihm bieten – aber der finstere Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong) hat die Mächte des Bösen auf seiner Seite und will Shazam an den Kragen.

Shazam! – Kritik

Das DC Extended Universe ist immer noch auf Korrektur-Kurs: Nach den eher schlechten Resonanzen für “Man of Steel”, “Batman v Superman” und “Suicide Squad” konnte das Studio Warner Bros. nur mit “Wonder Woman” erstmals einen Hit landen, ruinierte diesen guten Eindruck dann wieder mit dem “Justice League”-Debakel und überraschte bei “Aquaman” zum ersten Mal mit visionärer Regie, verdientem Bombast und Spaß.

Shazam Kritik mit Asher Angel und Jack Dylan Grazer

Es scheint so, als würde DC nun die Pläne für ein Shared Universe erst einmal auf Eis legen und sich stattdessen bemühen, Einzelfilme rauszubringen, die zwar lose miteinander verbunden sind, aber dennoch für sich allein stehen können.

Vorhang auf für “Shazam!”, eine eher obskure Figur, was natürlich das Potential bietet, Neulingen etwas frisches und interessantes vorzustellen. Ist das gelungen? Nun… teilweise?

Direkt von Anfang an wird klar, was das größte Problem dieses Films ist: Tonaler Zusammenhang.

“Shazam!” jongliert mit vielen Themen und Stimmungen – ZU vielen! Mal sehen wir ein realistisches Familien-Drama, mal einen sehr schrägen High-Fantasy-Film. Hier ist eine Szene wie aus einer typischen Superhelden-Sause, dann wiederrum wechseln wir zu grotesken Horror-Szenarien – und dazwischen finden sich Slapstick-Sequenzen unterlegt mit Rock-Songs oder Wort-Kabbeleien zwischen Shazam und Freddy.

Zachary Levi mit Jack Dylan Grazer Shazam Kritik

All diese Szenen und Eindrücke könnten für sich allein sicher gut funktionieren, aber gemeinsam in einen Film gepresst sorgen sie nur dafür, dass der Zuschauer konstant von einer Emotion zur nächsten gerissen wird, ohne einen guten Übergang dazwischen!

Regisseur David F. Sandberg, welcher mit Horror-Kurzfilmen auf Youtube anfing und dann die größeren Projekte “Lights Out” und “Annabelle: Creation” inszenieren durfte, hat eindeutig ein Händchen fürs Material, obwohl dem Film eine erkennbare, individuelle Handschrift fehlt.

Shazam Kritik mit Mark Strong

Höchstens wenn es düsterer wird, gruselige Monster auftreten und Mark Strong angenehm sinister agieren darf, ist so etwas wie eine Stilistik, eine gewisse Vision erkennbar. Bei bestimmten Szenen sieht man Sandbergs sicheren Umgang mit den Schauspielern, ganz besonders, wenn Billy zum ersten Mal ins Haus seiner Pflege-Familie kommt:

Man spürt die Unsicherheit in der Luft, die peinlichen Momente, die entstehen, sitzen und die Situation ist nachvollziehbar. An anderen Stellen wiederum wirkt der Film seltsam kitschig und aufgesetzt.

Shazam Kritik mit Jack Dylan Grazer und Zachary Levi

Mit der klassischen Comic-Helden-Ikonografie wird ein ums andere mal gelungen herumgewitzelt, aber auch hier wäre mehr drin gewesen und die finale Botschaft kündigt sich meilenweit im Vorfeld an, ist dabei zwar schön, aber absolut nichts neues.

Ohne Zweifel kann man jedoch folgendes sagen: Wann immer Shazam selbst auf der Leinwand ist, erwacht der Film zum Leben! Zachary Levi selbst ist kein Comicfilm-Neuling, ersetzte er doch schon Josh Dallas als Fandral in “Thor: The Dark World”. Hier gehört, sobald er auftritt, die Show ganz ihm!

Zugegeben, die charakterliche Veränderung, welche mit der Verwandlung Billys in Shazam einhergeht, ist ein wenig irritierend, aber es ist natürlich logisch, dass man in so einer Situation total überwältigt und auch enthusiastisch ist. Ob er sich nun gespielt erwachsen benimmt (und dabei immer noch herrlich unsicher wirkt), immer wieder von seinen Kräften überrascht wird oder aufgrund von falschen Einschätzungen in dumme Situationen gelangt, es ist eine wahre Freude, Levi in der Rolle zuzusehen.

Shazam Kritik mit Asher Angel und Jack Dylan Grazer

Natürlich ist die Idee des Kindes im Erwachsenen-Körper alles andere als neu, aber der Film ist sich dessen vollends bewusst und baut sogar eine kleine Hommage an den Tom Hanks-Film “Big” (1988) ein, was hervorragend funktioniert.

Musikalisch wurden einige sehr gute Songs für bestimmte Szenen ausgewählt und Benjamin Wallfischs Score darf sich zwar nur hier und da in den Vordergrund spielen, hat jedoch ein angenehm klassisches und beschwingtes Helden-Thema parat, was den geneigten Fan sicher zum Lächeln bringen wird.

Shazam Kritik

Der Rest der Schauspieler kann ebenso überzeugen: Asher Angel ist ein Protagonist mit nachvollziehbarer Motivation, Marta Milans und Cooper Andrews sind unterhaltsam als seine Pflege-Eltern, Djimon Hounsou chargiert fröhlich und dennoch würdevoll als Zauberer vor sich hin und Grace Fulton, Ian Chen, Faithe Herman und Jovan Armand leisten hübschen Support.

Shazam Kritik mit Mark Strong und Jack Dylan Grazer

Wer heraussticht, sind natürlich einmal Mark Strong, welcher als Bösewicht eigentlich immer geht und hier als durchaus ernstzunehmender Gegner mit ausführlicher Backstory schön finster aufspielt, und zum anderen Jack Dylan Grazer (bekannt als Eddie Kaspbrak aus “Es”), welcher eine sehr energiegeladene und teilweise sogar etwas überdrehte Performance abliefert.

Man kann erkennen, dass der Film ein viel kleineres Budget als die vorherigen DC-Filme hat, und das passt auch absolut in den Rahmen, denn hier wird auf ein gigantisches Weltuntergangs-Szenario verzichtet und der Konflikt ist persönlicher und überschaubarer.

Shazam Kritik mit Zachary Levi und Jack Dylan Grazer

Das hindert “Shazam!” dennoch nicht daran, letztendlich zu übertreiben: Die eingestreuten Action-Szenen machen durchaus Spaß und sind gut platziert, aber gegen Ende tappt der Film in dieselbe Falle wie “Aquaman” und weiß nicht, wann Schluss sein müsste.

Obgleich sich das Finale nur auf einen eher kleinen Schauplatz beschränkt, so dauert der Showdown einfach zu lang und schüttelt immer neue Dinge aus dem Ärmel, um die Laufzeit zu strecken. Dabei wirkt die Action trotz des CGI-Anteils zwar angenehm körperlich, und einige schöne Moves sind auch drin, aber letztendlich stellen sich einfach Ermüdungs-Erscheinungen beim Zuschauer ein. Und dann kann der Film einfach nicht widerstehen und überrascht uns auf vollkommen plötzliche Weise quasi aus dem Nichts mit einer besonderen Szene …

Shazam! Kritik – Fazit

Tatsächlich ist es schwer, einen klaren Gedanken zu “Shazam!” zu fassen: Viele Einzelszenen funktionieren sehr gut, der Cast hat sichtbare Freude an dem Material und agiert sehr harmonisch und teilweise mit einem unübersehbaren Camp-Anteil miteinander.

Shazam Kritik mit Mark Strong und Zachary Levi

Die Horror- und Drama-Anteile, vom Marketing weise versteckt, überraschen durch eine gewisse Intensität und Härte, was diesen Film weitaus weniger geeignet für Kinder macht als der Output der Marvel-Konkurrenz.

Was fast durchgängig funktioniert, ist die auf die Titel-Figur bezogene Comedy, von Zachary Levis Performance stets einnehmend vorgetragen, und auch die Action macht Spaß, bis am Ende leider die Zuschauer-Geduld etwas überstrapaziert wird.

Shazam Kritik mit Jack Dylan Grazer und Zachary Levi

Dennoch harmonieren die einzelnen Elemente nicht immer sauber miteinander und man hat das Gefühl, dass sich der Film thematisch und inhaltlich übernommen hat. Letztendlich hat man den Eindruck, dass “Shazam!” quasi das ist, was “Venom” sein WOLLTE (und wohl auch hätte sein sollen), aber etwas mehr Arbeit am Skript sowie einiges an Trimmung im Schneideraum hier nötig gewesen wären.

Was bleibt, ist ein durchaus amüsanter, über weite Strecken kurzweiliger und auch witziger Blockbuster, der das Herz am rechten Fleck hat, aber sich am Gewicht der eigenen Ambition leider etwas verhebt.

Shazam Kritik mit Zachary Levi und Jack Dylan Grazer

Sechs von zehn (6/10) Punkten gibt es dafür von mir, mit der Hoffnung, vom Titelhelden in Zukunft noch mehr zu sehen, denn die kreativ-quirrlig gezeichnete Abspann-Sequenz zeigt, was da alles noch möglich wäre…

Es gibt übrigens eine Post- und eine Aftercreditszene.

Kommentar von Pia:

Bei den bemerkenswert guten Schauspielern, die Lasse erwähnt hat, kann ich in vollem Umfang zustimmen. Besonders der junge Jack Dylan Grazer als Freddy hat in meinen Augen Symphatie-Herzchen aufblitzen lassen. Und dann gibt es auch noch im Film einen Überraschungsgast aus einer etwas älteren Serie, die ich als Teenager verfolgt hatte… Schreibt es in die Kommentare, wenn ihr ihn auch entdeckt habt!

Ich war positiv begeistert und fand die verschiedenen Tonalitäten des Films durchaus gelungen. Ein Film muss nicht nur in eine Richtung gehen und kann meiner Meinung nach auch bunt gemischt werden, wie in Aquaman oder Shazam! So wurde mir beim Schauen niemals langweilig und der Humor kam auch nicht zu kurz. Bei einigen Szenen dachte ich außerdem “Wow, der Film ist FSK 12?”

Shazam! werde ich mir in jedem Fall noch ein oder zweimal anschauen und freue mich auf die kommenden DC Filme. Ich vergebe acht von zehn Nerdmasken (8/10).

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Shazam Poster Kritik mit Zachary Levi

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