Jared Letos JOKER – Die einzig gute Sache an Suicide Squad?

Jared Leto Margot Robbie

Ohje… das war ein hartes Jahr für DC-Fans. Die Vorfreude auf Batman v Superman und Suicide Squad war gigantisch und die Enttäuschungen vielleicht noch gigantischer. Nichts desto trotz stufe ich meine Enttäuschung allerdings als etwas geringer ein. Batman v Superman konnte mich trotz seiner Macken überzeugen (Ja, kein Witz! ich fand den Film richtig gut.) und Suicide Squad war zwar ein Bauchklatscher aber selbst ein Bauchklatscher, so schmerzhaft er auch sein mag, kann auch noch seine anschaubare Seite haben. Kein rühmliches Lob aber mehr ist eben für Suicide Squad nicht drin. Suicide Squad hat die Fangemeinden sicher noch mehr gespalten als Batman v Superman und nahezu genauso sehr hat es die Interpretation des vielleicht besten Bösewichtes aller Zeiten.

Der Joker des DCEU

Man muss sagen, dass Jared Leto aber auch kein leichtes Erbe hatte. Ich meine ich brauche hier sicher kein Wort über Heath Ledger verlieren. Wir alle wissen, was für eine Meisterleistung Nolan mit seinem Joker abgeliefert hat und dass dieser Joker zu einer Figur der Popkultur wurde, die genau wie Darth Vader nie wieder aus unseren Köpfen verschwinden wird. Es war eine Punktlandung und Heath Ledger wurde für viele Fans zum definitiven Clown Prince of Crime. Tja, und nun haben wir eben Jared Leto. War ja klar, dass man sich nach Ledger NATÜRLICH einen Mathod Actor ins Bot holen würde. Aber kann er denn dem hohen Anspruch der Rolle des Jokers gerecht werden? Wird es gelingen eine eigene Interpretation auf die Leinwand zu bringen, die ihre eigenen tiefgründigen Facetten an sich hat? Ich persönlich beantworte diese Frage für mich mit einem definitiven -JA- auch wenn ich nicht an allen Stellen überzeugt worden bin.

Der Joker aus Suicide Squad ist ein Unikat geworden und ich kann beide Parteien verstehen, die ihn entweder lieben oder hassen. In diesem Text möchte ich aber etwas tiefer in die Materie schauen und euch verraten, warum genau ich meine, dass der neue Joker des DCEU funktioniert. Noch dazu warum ich der Ansicht bin, dass David Ayer, in der kurzen Zeit die er hatte um das Skript zu schreiben, trotzdem begriffen hat, was der Joker in einer Comic-Welt überhaupt für eine Rolle spielt und was genau ich als Clever und Spannend erachte, was andere Fans als Verrat an der Figur angesehen haben.

Suicide Squad Joker Jared Leto
Wie schon so oft möchte ich ein wenig die Vergangenheit rekapitulieren. Ich weiß noch genau als damals das allererste Foto vom neuen Joker veröffentlicht wurde und ich gehöre zu den, denen das Design auf Anhieb gefallen hat. Ausgeschlagene Zähne, fehlende Augenbrauen, kein eingewachsenes Lächeln und natürlich die immense Anzahl von Tattoos. In Meinen Augen eine erfrischende Interpretation und ich erachte es in einem gewissen Maße als mutig, für das DCEU eine optisch so unvertraute Variation an den Tag zu legen.

Ich gebe zu, dass das demaged auf der Stirn sicher etwas zu mit dem Holzhammer ist aber der Schriftzug ist dezent genug, dass er nicht zu sehr von der Mimik und den Gesichtszügen ablenken würde. Und alle Achtung – Das Gesicht des Jokers haben sie im fertigen Film einzigartig inszeniert. Letos hageres, kahles Gesicht wurde mit dem Makeup und der Beleuchtung zu einer Fratze, die sich in mein visuelles Gedächtnis eingebrannt hat, wie Heath Ledgers narbiges und durchdringendes Joker-Gesicht. Ich komme eben aus der Comickultur und da ich selbst Comics zeichne lege ich großen Wert auf visuelles Artdesign und ich werde es immer hochwertig anerkennen, wenn ich von einem Design beeindruckt bin.

Trotzdem muss ich bei all dem Lob, das ich bis hierher ausgesprochen habe und auch am Ende noch äußern werde, muss ich an der Performance von Jared Leto meckern. Ich denke, das größte Problem an dieser Darstellung des Jokers und weswegen viele Fans sie nicht mögen, ist dass dieser Joker viel zu unpräzise in seinen Dialogen/Interaktionen geschrieben wurde. Innerhalb von Sekundenbruchteilen wechseln seine Stimmungen und Gesichtsausdrücke und es grenzt stellenweise fast an einen Betrunkenen, der eigentlich schon viel zu fertig ist um irgendwas noch von der Party mitzubekommen.

Ledgers Joker war zwar auch Extrem allerdings viel Stilvoller dabei. Der Zuschauer hatte immer genau gewusst, dass dieser Joker konkrete und ausgefertigte Ansichten vertrat und anders als Letos Joker es verstand, den Zuschauer in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seele blicken zu lassen. Sehr schade und ärgerlich für Leto!

Suicide Squad Joker Jared Leto
Ich stelle mir gerade vor, wie Joker aus Nervosität diesen Waffenkreis legt um sich selbst zur Ruhe zu zwingen. Echt eine tolle Vorstellung… schade, dass wir dies nicht zu sehen bekamen.

Andere Szenen, in denen Joker extreme Emotionen zeigt funktionieren da hingegen schon wesentlich besser. Wenn er in seinem Kreis aus Messern und Feuerwaffen sitzt und irgendwie versucht darauf klar zu kommen, dass er nicht weiß, wo sich seine Harley momentan aufhält. Hier wirkt sein Schauspiel wesentlich direkter und genau da entstand auch bei mir das Bedürfnis mehr von diesem Joker sehen zu wollen! Ich möchte wirklich sehen, was Leto in einer anderen Geschichte und unter einer anderen Regie noch alles zu leisten in der Lage ist. Dies ist nebenbei ein Lob, das für den gesamten Film Suicide Squad auszusprechen ist. Ich möchte mehr von nahezu jeder Figur sehen.

So, haben wir also das Allgemeine vom Tisch. Kommen wir nun zum Hauptteil dieses Beitrages, weswegen ich es überhaupt nötig fand, diesen Text zu verfassen. Ich beziehe mich dazu auf den Extendet Cut von Suicide Squad und werde daher diese Version spoilern. Nun. Als Kritikpunkt zur Beziehung zwischen Joker und Harley in Suicide Squad habe ich online mehrfach gelesen, dass es ein Verrat an den Figuren sei, da Joker sich in den Comics nie wirklich für Harley interessiert hat und er ihre Liebe lediglich für seine Machenschaften ausgenutzt hat. Harley musste nach Jokers Pfeife tanzen oder sie bekam eine Faust in ihr Gesicht geschmettert. In der Tat ist es in den meisten Versionen die auch ich kenne so, dass Joker Harley lediglich benutzte und sie nicht weniger schlecht behandelte als viele seiner Untergebenen.

Suicide Squad hingegen zieht das Ding komplett von der anderen Seite auf, dass Joker Harley in der Tat von ganzen Herzen liebt. Ich persönlich sehe daran absolut kein Problem und ich sehe nicht ein, weshalb Joker nicht zur Abwechslung mal genau so verschossen in Harley ist, wie sie in ihn. Ganz im Gegenteil! Ich sehe genau in diesem Punkt die Stärke dieser Interpretation.Wie oft haben wir gesehen wie der Joker Harley aus einem Fenster stößt, ihr eine schmiert oder sie aus Zorn anbrüllt, weil sie einen Gag nicht verstanden hat? All diese Versionen sind zwar auf ihre Art interessant aber ich gebe zu, dass ich immer gerührt war, wenn Joker ein wenig Zuneigung Harley gegenüber aufkommen lies.  Um dies besser zu verdeutlichen möchte ich die Romanze, wie sie in Suicide Squad verlaufen ist, noch einmal rekapitulieren.

Suicide Squad Joker Jared Leto

Joker bekommt im Arkham Asylum Dr. Harleen Quinzel (Eigentlich ist dieser Name allein schon Hirnrissig genug aber was soll’s…). Dr. Quinzel entwickelt Gefühle für Joker und lässt sich auf seine Spiele ein und so kann Jokers Killer-Commando das Arkham Asylum stürmen um Joker zu befreien. Dr. Quinzel wird gefangen und Joker hätte nun die Möglichkeit sie zu töten. Doch er entscheidet sich dagegen und will ihr statt dessen nur sehr sehr weh tun. Aber warum? Warum lässt er sie am Leben? Weil er es lustiger findet eine gebrochene Frau zurück zu lassen? Möglich. Aber so wie ich die Sache sehe, hat Joker schon zu diesem Zeitpunkt angefangen Gefühle für sie zu entwickeln. Bezeichnend dafür ist, wie extrem wütend Joker in dieser Szene auf Harley ist und nachdem er sich kurz gefangen hat und versucht für einen Moment ruhig zu sprechen.

Joker: “Du hast mich in ein schwarzes Loch von Zorn und Verwirrung gestoßen.”

Weshalb sollte Joker so etwas sagen? Er dürfte schon einige Psycho-Klempner hinter sich haben und warum sollte gerade der Joker, der als der personifizierte Wahnsinn gilt vor einem Opfer eingestehen, dass er verwirrt sei?
Tja, wann ist man denn wohl in seinem Leben am meisten verwirrt? Ich denke ich kann hier für viele sprechen, wenn ich sage, dass dies dann ist, wenn man sich zum ersten mal verliebt hat und in diesem unnachahmlichen Rausch verfallen ist. Und genau diese Verwirrung macht Joker zornig, da dies eine Niederlage in der Darstellung seiner Rolle als Clown Prince of Crime darstellt.
Und genau das ist es, was ich persönlich als wirklich Großartig ansehe, da ich hier eine wirkliche Vision und ein Verständnis von der Materie sehe. Noch mehr verdeutlicht wird Jokers Gefühlschaos in der Highway-Szene. Harley stellt Joker und zwingt ihn mit ihr zu sprechen. Und da sagte Joker den Satz, der mich endgültig überzeugte

Joker: “Ich bin niemand, der geliebt wird. Ich bin ein Gedanke. Ein Geisteszustand.”

Ganz Genau! Bei all dem was ich David Ayer vorwerfen könnte, muss ich sagen, dass er Joker in einem ähnlichen Maße verstanden hat, wie ich. Das ist es, was ich am Joker liebe! Joker ist das Gegenteil von Batman und auch nur ein Symbol für seine Lebensphilosophie. Der einzige Unterschied zu Batman ist, dass der Joker keine Geheimidentität ist, sondern alles was er ist, sein wird und vielleicht auch schon immer war. Es gibt nur die Rolle und keine Geheimidentität. Diese Identitätsfrage und was sie für Joker überhaupt bedeutet, wurde nebenbei mal angemerkt hervorragend in der Batman-Comicserie von Scott Snyder Greg Capullo behandelt (Sehr zu empfehlen!). Aber was bedeutet das denn nun?
Joker ist sich seiner selbst bewusst und spielt lediglich eine Rolle, bei der er genaue Vorstellungen hat, wie diese zu sein hat. Er ist ein Gedanke, wie er selbst sagt. Er will kein normales menschliches Wesen sein mit all seinen Schwächen.


Er will DER EINE IRRE sein! Aber nun ist da eben Harley und er merkt, dass eine ungefährliche Frau ihn genau da getroffen hat, wo es ihm weh tut. Als er merkt, dass er menschliche Gefühle für jemanden entwickelt hat, ist sein Zorn immens, da er wohl das erste Mal in seinem Dasein als Joker wahrlich besiegt wurde. Er hasst Harley dafür aber er kann es nicht über sein doch vorhandenes Herz bringen, Harley zu töten. Foltern muss reichen… Die Szene wird gut abgeschlossen mit einer Frage, die  passender nicht hätte sein können.

Harley: “Mein Herz macht dir mehr Angst als eine Waffe?”

Die Szene über dem Chemikalien-Becken stellt dabei Jokers endgültige Niederlage dar. Er lockte Harley zu diesem Ort um sich endgültig von ihr zu befreien. Wenn er sie nicht töten könne, dann solle sie es selbst machen. Durch ihre eigene Hand. Er lies sie springen und nahm sich vor sie sterben zu lassen. Doch er zögerte und kämpfte einen Moment mit sich selbst und gesteht sich im letzten Moment ein, dass er sich geschlagen geben muss, da er Harley nicht verlieren möchte. In diesem Moment gab Joker seiner Menschlichkeit nach und entschied sich für Harley. Sie hatte ihm gezeigt, dass sie bereit ist in der Welt des Wahnsinns zu leben und er trug seine neue Königin wie ein Statussymbol. Harley ist zu seiner Schwäche geworden aber eine Schwäche ohne die er nicht mehr leben will und jeder, der diese Schwäche gegen ihn ausnutzen will, bekommt das Lachen des Jokers zu hören. Batman und der Joker sind ein Teil der selben Medaille und gerade der Joker selbst würde mir da sicher zustimmen. Joker ist die Antwort auf Batman und sein gesamte gesamte Existenz dreht sich nur um den Konflikt zwischen ihm und Batman.


Er sieht sich nicht als Mensch. Er will ebenso wie Batman ein Symbol für eine höhere Sache sein. Doch mit der Einführung von Harley Quinn scheint dieses Konzept irgendwo verworfen zu sein. Auf einmal teilt er sein Leben mit einer Frau und es gibt nicht nur noch den Clown und die Fledermaus. Mit der Beziehung zu Harley hat sich sein Leben um eine weitere Facette gewandelt und Joker musste sich eingestehen, dass der Mensch nur das ist, wozu er sich macht. Und ich denke für kaum einen anderen Comiccharakter ist dies die grauenhafteste aller Einsichten. Und dass der Film genau mit diesem Handlungselement gespielt hat, muss ich Suicide Squad bei all seinen Fehltritten doch anrechnen.

Suicide Squad Joker Jared Leto

Abschließend bleibt mir nicht mehr viel zu sagen. Ich denke einfach, bei all dem Mist, den der Film Suicide Squad begleitet hat, so sind es doch kleine Diamanten, die man hier und da erspähen kann. Sicher gehört auch viel Bereitschaft dazu, sich auf diese Interpretationen einzulassen. Als DC-Fanboy tu ich ich damit nicht schwer und so hoffe ich, dass dieser Artikel euch gefallen hat und als letztes bleibt mir nur zu sagen, dass der Joker zurecht immer noch eine Rolle in Comics, Filmen und Spielen hat. Nahezu jede Interpretation hat ihre Qualitäten und gab ihre ganz eigene Facette zum wohl besten Comic-Charakter aller Zeiten.

Was ist eure Meinung zum neuen Joker? Seht ihr ihn auch als absolute Fehlkonzeption oder ist es der Joker, den ihr schon immer sehen wolltet? Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

Euer Bruno.

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Bilder oben © Warner Bros. Pictures Germany

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